Erstmals Aachen: Daniel Dunst erfüllt sich seinen WM-Traum

Daniel Dunst kommt mit 46 Jahren erstmals nach Aachen – als WM-Reiter im österreichischen Vielseitigkeitsteam. Sein Sportpartner Chevalier 97 war ursprünglich für den Springsport vorgesehen. Aus einer zufälligen Verbindung wurde über Jahre ein Championatspaar, das sich gezielt auf die WM vorbereitet hat.


Am Sonntagabend hat für Daniel Dunst und Chevalier 97 die Reise von der Südoststeiermark nach Aachen begonnen. Dort wartet auf den zweifachen Ex-Staatsmeister eine Premiere: Dunst war noch nie in Aachen und bestreitet seine erste WM.
„Aachen ist für den Pferdesport das, was Wimbledon für den Tennissport ist. Man träumt davon, einmal bei einem solchen Championat dabei zu sein. Dieses riesige Stadion und diese Kulisse erlebt man nicht jeden Tag. Dort für Österreich reiten zu dürfen, ist ein Privileg.“

Dass es mit 46 Jahren erstmals geklappt hat, ist kein Zufall. Dunst und Chevalier haben die Weltmeisterschaft seit zwei Jahren als gemeinsames Ziel verfolgt. Auf die Europameisterschaft 2025 in Blenheim verzichtete der Steirer bewusst. Sein Pferd war damals nicht in der Verfassung, die es für die anspruchsvolle Strecke gebraucht hätte. Stattdessen richtete Dunst die weitere Planung auf Aachen aus.

Chevalier war für eine andere Karriere bestimmt

Der 16-jährige Chevalier 97 war ursprünglich nicht als Vielseitigkeitspferd vorgesehen. Der Westfale war im Springsport eingesetzt worden und kam zu Dunst, um für seinen Besitzer Peter Pichler weiter ausgebildet zu werden.

„Er war nie als Vielseitigkeitspferd für mich geplant. Sein Besitzer wollte mit ihm ein bisschen in den niedrigeren Klassen reiten. Dann ist Peter leider schwer erkrankt und musste den Sport aufgeben. So ist das Pferd bei mir geblieben.“
Was als Übergangslösung begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer sportlichen Partnerschaft. Chevalier brachte aus dem Springsport gute Voraussetzungen mit. Im Gelände wurde er mit zunehmender Erfahrung sicherer und zählt inzwischen zu den verlässlichsten Pferden in Dunsts Stall.

„Seine Stärke kommt natürlich aus dem Springen. Mittlerweile macht er seine Sache aber auch im Gelände sehr gut. Er ist dort sehr stabil, macht selten einen Fehler und will bis zum Schluss alles richtig machen.“

Die Dressur verlangt dem Wallach mehr ab. Vieles fällt ihm körperlich nicht so leicht wie das Springen. Genau an diesem Punkt setzte Dunst in der WM-Vorbereitung an. In den vergangenen Monaten arbeitete er intensiv mit Dressurtrainer Robert Orsolics. Für das Springtraining nutzt er die räumliche Nähe zu Österreichs steirischem Top-Springreiter Markus Saurugg.
„Markus ist nur fünf Minuten von mir entfernt. Ich bin immer wieder zu ihm gefahren und habe mir viele Tipps geholt. Auch für die schweren Dressurlektionen hilft uns vieles, was wir im Springtraining erarbeiten.“

Chevaliers Entwicklung führte das Paar bis auf Vier-Sterne-Niveau. Der Wallach hat bereits eine CCI4*-S-Prüfung gewonnen. Nun folgt mit Aachen die bislang größte gemeinsame Aufgabe.

Zurück nach zwei schweren Verletzungen

Dass Dunst bei dieser Weltmeisterschaft körperlich bereit ist, war nicht selbstverständlich. Zwei Stürze in den vergangenen zwei Jahren mit fatalen Folgen (offener Ellbogenbruch und Schlüsselbeinbruch) hinterließen Spuren. Platten und Metall befinden sich teilweise noch im Körper. Vor allem Beweglichkeit, Balance und Körpergefühl musste er sich in einer längeren Rehabilitation zurückerarbeiten.

„Das war nicht lustig. Ich habe gerade im vergangenen Jahr und bis in den Winter hinein noch mit den Nachwirkungen zu kämpfen gehabt. Für den Ellbogen musste ich sehr viel Therapie machen, damit ich die volle Beweglichkeit wiederbekomme.“
Auf ein umfangreiches Fitnessprogramm abseits des Stalls setzte Dunst in der WM-Vorbereitung dennoch nicht. Seine körperliche Basis holte er sich vor allem im Sattel. Dazu kamen bewusste Ernährung und die tägliche Arbeit mit mehreren Pferden.

Die letzten Einheiten vor Aachen waren gezielt dosiert: Dressur bei Robert Orsolics, Springtraining bei Markus Saurugg, eine abschließende Konditionseinheit und danach ein Erholungstag für Chevalier.

Lisa Held: Partnerin, Kritikerin, Logistikerin

Begleitet wird Daniel Dunst von seiner Ehefrau Lisa Held. Die regierende zweifache Staatsmeisterin ist nicht nur im privaten Alltag, sondern auch im Sport seine wichtigste Partnerin. Beide arbeiten beruflich außerhalb des Pferdesports, reiten mehrere Pferde und absolvierten zuletzt gemeinsam eine Trainerausbildung.

Dunst arbeitet im Versicherungsaußendienst, ist Obmann des HSV Feldbach RC Schloss Kornberg und gibt dort Unterricht sowie Vielseitigkeitskurse. Held übernimmt bei gemeinsamen Turnierreisen einen großen Teil der Planung und Organisation.
„Lisa ist nicht nur ein wichtiger Teil meines Lebens, sondern auch im Sport. Der eigene Partner ist gleichzeitig der größte Kritiker und bringt einen schnell wieder auf den Boden der Realität. Das ist nicht immer ganz leicht, aber wir haben mittlerweile einen sehr guten Weg gefunden.“

Die Zuständigkeiten sind klar verteilt. Held verlässt sich im Springen und Gelände stark auf die Erfahrung ihres Mannes. Dunst wiederum kann bei der Arbeit zu Hause, bei den Pferden und bei der gesamten Turnierlogistik auf sie zählen.
„Sie hilft mir im Gelände und beim Springen. Und wenn es ums Einpacken und die ganzen organisatorischen Dinge geht, ist immer alles dabei. Ich frage mich manchmal selbst, wie sie das alles schafft.“

Die gemeinsame Basis ist der HSV Feldbach RC Schloss Kornberg. Die Anlage mit Dressurviereck, großem Springplatz und einer weitläufigen Vielseitigkeitsstrecke bietet Dunst beinahe alle Trainingsmöglichkeiten vor der Haustür. Dort arbeitet der Staatsmeister von 2014 und 2015 nicht nur an seiner eigenen Karriere, sondern gibt seine Erfahrung auch an andere Reiter:innen weiter.

Ein viertes Paar für Österreich

In Aachen ergänzt Dunst jene Equipe, die Österreich bei der Europameisterschaft 2025 in Blenheim mit Mannschaftsrang fünf das WM-Ticket gesichert hat. Lea Siegl, Harald Ambros und Katrin Khoddam-Hazrati mussten damals ohne Streichergebnis auskommen. Bei der WM tritt Österreich mit vier Paaren an.

Dunst und Chevalier verschaffen dem Team damit ein wichtiges Polster. Der Steirer sieht Österreich nicht nur als Teilnehmer, sondern auch mit einer realistischen Chance auf einen Platz unter den besten sieben Mannschaften. Dieser würde die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles bedeuten.

„Die Mannschaft ist stark aufgestellt. Drei sind dabei, die beim letzten Championat sehr gute Leistungen gebracht und sich schon in der Vergangenheit bewiesen haben. Ich glaube, dass wir eine realistische Chance auf die direkte Olympiaqualifikation haben.“

Zunächst zählt für Dunst die bestmögliche Leistung in Aachen. Zwei Jahre haben er und Chevalier auf dieses Ziel hingearbeitet. Nun betritt der Südoststeirer das große Stadion erstmals – nicht als Zuschauer, sondern als WM-Reiter für Österreich.

WM-Team, Zeitplan, TV-Übertragung

Österreichs WM-Team:
Daniel Dunst (ST) – Chevalier 97
Katrin Khoddam-Hazrati (ST) – Renegade
Harald Ambros (OÖ) – Vitorio du Montet
Lea Siegl (OÖ) – Watermill Giorgio RS
Equipechef: Thomas Tesch

WM-Zeitplan Vielseitigkeit:
Donnerstag, 13. August, 9.30–17.00 Uhr: Dressur Team- und Einzelwertung, Teil 1
Freitag, 14. August, 9.30–17.00 Uhr: Dressur Team- und Einzelwertung, Teil 2
Samstag, 15. August, 9.15–15.55 Uhr: Gelände Team- und Einzelwertung
Sonntag, 16. August, 13.00–17.20 Uhr: Springen Team- und Einzelwertung, Medaillenentscheidungen
Start- und Ergebnislisten: Longines Timing

Geplante TV-Übertragung:
Sonntag, 16. August, ab 12.55 Uhr auf ORF ON. Ab 15.45 Uhr ist die Medaillenentscheidung zeitversetzt auf ORF SPORT+ vorgesehen.

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