Knapp zehn Jahre Aufbauarbeit, vier Paare, ein großes Ziel
Zwei Paare aus der Steiermark, zwei aus Oberösterreich und erstmals ein vollständiges österreichisches WM-Viererteam überhaupt: Die Vielseitigkeit reist mit viel Erfahrung, gewachsenen Strukturen und klaren Zielen zu den FEI World Championships nach Aachen. Für Equipechef Thomas Tesch ist die Nominierung auch eine Bestätigung der kontinuierlichen Arbeit seit Ende 2016
Zwanzig Jahre nach den Weltreiterspielen 2006 kehrt die Vielseitigkeits-WM nach Aachen zurück – und Österreich erstmals mit einem vollständigen Viererteam. Der steirische Equipechef und OEPS-Vielseitigkeitsreferent Thomas Tesch führt eine Mannschaft an, die zu gleichen Teilen aus oberösterreichischen und steirischen Paaren besteht.
Für Oberösterreich starten Lea Siegl mit Watermill Giorgio RS und Harald Ambros mit Vitorio du Montet. Die Steiermark ist durch Katrin Khoddam-Hazrati mit Renegade 2 und Daniel Dunst mit Chevalier 97 vertreten. Die Vielseitigkeitsbewerbe (https://www.aachen2026.com/programme/eventing/) finden von 13. bis 16. August statt.
„Ich bin hoch erfreut, dass wir ein komplettes Team nach Aachen schicken können. Das ist eine Premiere bei einer Weltmeisterschaft!“, jubelt Tesch.
Schritt für Schritt zurück zu den großen Championaten
Hinter diesem Erfolg steht eine Entwicklung, die Ende 2016 begonnen hat. Gemeinsam mit Bundestrainer Andreas Ostholt und Team-Tierarzt Matthias Baumann, der 1988 selbst einen Olympiasieg in der Vielseitigkeit feierte, baute Tesch Strukturen auf, die zum Ziel haben internationale Championate mit vollständigen Teams zu beschicken. Die Basis bilden dabei nachvollziehbare Qualitätskriterien, die jedes Teammitglied im jeweiligen Qualifikationszeitraum erfüllt hat.
„Wir haben damals begonnen, eine klare Struktur aufzubauen. Unser Ziel war es, Österreich bei Championaten nicht nur mit Einzel-Reiter:innen, sondern mit mehreren Paaren und im Idealfall mit einem kompletten Team zu vertreten. Dass wir jetzt mit vier Paaren nach Aachen fahren können, ist eine Bestätigung dieser Arbeit“, erklärt der Equipechef.
Die Ergebnisse der vergangenen Jahre geben diesem Weg recht. Österreich war bei den Olympischen Spielen in Tokio und Paris mit jeweils zwei Reiter-Pferd-Paaren in der Vielseitigkeit vertreten. Lea Siegl belegte 2021 in Tokio den sensationellen 15. Platz. Bei der Europameisterschaft 2025 in Blenheim gelang ihr mit Rang fünf das beste österreichische Einzelergebnis bei einem Championat. Gemeinsam mit Harald Ambros und Katrin Khoddam-Hazrati führte sie Österreich außerdem auf den fünften Platz in der Teamwertung, was ihnen und Robert Mandl zuletzt auch 2021 bei der EM in Anvenches (SUI) gelungen war.
In Aachen folgt nun der nächste Schritt. Der traditionsreiche Austragungsort leuchtet im Pferdesport mit ähnlich altehrwürdig-glanzvoller Aura wie Wimbledon im Tennissport. Über Jahrzehnte ist dort eine Anlage gewachsen, die regelmäßig die besten Reiter:innen und Pferde der Welt zusammenführt.
Zwei Bundesländer, ein erfahrenes Team
Die vier österreichischen Paare bringen unterschiedliche Stärken mit. Lea Siegl, die jüngste Reiterin im Team, kann bereits auf zwei Olympiateilnahmen und mehrere Spitzenresultate bei Championaten verweisen. In Aachen sattelt sie Watermill Giorgio RS. Ihr langjähriges Spitzenpferd Van Helsing P wird nach einer kleineren Verletzung geschont und behutsam für kommende Aufgaben und vor allem mit Blickrichtung Olympische Spiele LA28 aufgebaut.
Watermill Giorgio RS ist eines der nachrückenden Spitzenpferde der Oberösterreicherin und bereits auf Vier-Sterne-Niveau erprobt. Tesch formuliert die Erwartungen realistisch: „Mit Van Helsing P als bereits championatserprobten und erfahrenen Partner, wäre Lea mit Sicherheit zum Spitzenfeld zu zählen gewesen. Für Watermill Giorgio RS wir es der erste Championatseinsatz werden. Das Ziel: eine Platzierung im ersten Viertel. Alles was darüber hinaus geht, nehmen wir gerne mit.“
Mit Harald Ambros und Vitorio du Montet verfügt Österreich über ein besonders routiniertes Paar. Beide waren bereits bei den Olympischen Spielen in Paris am Start und gehörten 2025 zum EM-Team in Blenheim. Vitorio du Montet wird gezielt eingesetzt, zeigte sich in der unmittelbaren Vorbereitung laut Tesch bereit für die Aufgabe, was das Paar mit Platz zwei bei Nations Cup in Strzegom (POL) unterstrichen hat. Harald Ambros gehört auch zu sechs Reitern im WM-Feld, die bereits 2006 bei der WM in Aachen am Start waren. Harald und seine Miss Ferarri beendeten damals die WM mit einer Doppelnullrunde im Springen auf dem 31. Platz.
Die steirische Teamhälfte bilden Katrin Khoddam-Hazrati und Daniel Dunst. Katrin Khoddam-Hazrati war bereits den beiden fünften EM-Teamplätzen in Avanches und Blenheim beteiligt. Ihre Renegade 2 zählt zu den jüngeren Pferden im Feld, hat aber mit ihrer Leistungsbereitschaft und ihrem Ausdauervermögen auf Vier-Sterne-Niveau überzeugt. Der zweite Platz im CCI4*-L Strzegom (POL) hinter der Nummer 1 der Welt, Tim Price, sowie der Start beim Nations Cup in Marbach (GER) haben die positive Formkurve bestätigt.
Der zweifache Ex-Staatsmeister Dunst komplettiert mit Chevalier 97 das österreichische Quartett. Dieses Paar belegte beim CCI4*-L Wiener Neustadt 2026 den dritten Platz. Der Steirer war bereits 2023 bei der EM in Haras du Pin (FRA) Teil der österreichischen Equipe.
Für Tesch liegt eine Stärke dieser Mannschaft in ihrer Erfahrung und ihrem gewachsenen Zusammenhalt: „Die Reiter:innen gehören seit Jahren zu den Leistungsträger:innen der österreichischen Vielseitigkeit. Harald bringt seinen Erfahrungsschatz aus mehr als zwei Jahrzehnten Championatseinsätzen ein. Katrin und Daniel haben mit ihren Leistungen für Ruhe und Sicherheit gesorgt, und Lea kann bei Bedarf auf die Erfahrung ihrer Teamkolleg:innen zurückgreifen und sich mit ihnen austauschen. Auch der Betreuerstab arbeitet seit Jahren zusammen. Das ist bei einem Championat ein großer Vorteil.“
Der „Triathlon des Pferdesports“
Die Vielseitigkeit verbindet Dressur, Gelände und Springen. Das Kernstück ist die Geländestrecke mit festen Hindernissen. Gräben, Hecken und technisch anspruchsvolle Kombinationen prüfen nicht nur Sprungvermögen und Mut, sondern auch Ausdauer und Vertrauen in die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter:in. Diese Herausforderungen werden nur als Team optimal bewältigt.
In Aachen werden die technischen Anforderungen eines Fünf-Sterne-Kurses gestellt. Nach der Verfassungsprüfung am Mittwoch (12.8.) folgen am Donnerstag und Freitag die beiden Dressurtage. Am Samstag (15.8.) wartet die Geländestrecke, am Sonntag (16.8) entscheidet das abschließende Springen über die Einzel- und Teammedaillen.
Bei der WM werden auch die ersten Teamquotenplätze für die Olympischen Spiele 2028 vergeben. Österreich sieht jedoch die Chancen eines direkten Tickets in Aachen realistisch. Im Mittelpunkt steht eine geschlossene Mannschaftsleistung.
„Wir wollen eine ordentliche Performance abliefern, mit der alle zufrieden sein können. Alles, was darüber hinausgeht, nehmen wir gerne mit“, sagt Tesch.
Weitere Chancen auf dem Weg nach Los Angeles bieten die Europameisterschaft 2027 und der Nations Cup. Zunächst aber wartet Aachen – als bisher größte Bewährungsprobe für ein Team, das über viele Jahre gewachsen ist.
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