Vom Kindheitstraum zur WM: Khoddam-Hazrati reitet in Aachen

Vor 20 Jahren erlebte Katrin Khoddam-Hazrati die Weltmeisterschaft in Aachen als Begleiterin, nun kehrt die Steirerin als aktive WM-Reiterin zurück. Mit der selbst gezogenen zehnjährigen Renegade erfüllt sie sich einen Kindheitstraum – nach einem Qualifikationsweg, der bis zum letzten Anlauf spannend blieb.


Am Sonntagabend hat für Katrin Khoddam-Hazrati die Reise nach Aachen begonnen. Gemeinsam mit Renegade machte sich die 39-jährige Steirerin auf den Weg zu ihrer zweiten Weltmeisterschaft. Dass sie ausgerechnet an diesem Ort mit einem selbst gezogenen Pferd antreten wird, macht das Championat für sie besonders.

Bereits bei den Weltreiterspielen 2006 war Khoddam-Hazrati in Aachen dabei. Damals begleitete sie den österreichischen Vielseitigkeitsreiter Harald Riedl. Die Atmosphäre hinterließ Eindruck – und führte zu einem Entschluss.

„Ich habe mir damals gedacht: Wenn ich jemals wieder nach Aachen fahre, dann nur, wenn ich selbst reite. Ich habe danach dreimal versucht, dort bei einem Turnier an den Start zu kommen, aber nie einen Startplatz erhalten. Irgendwann dachte ich, dass es wahrscheinlich ein Kindheitstraum bleiben wird.“

Dieser Traum reicht noch weiter zurück. „Als ganz kleines Kind bin ich vor dem Fernseher gesessen, als das Springreiten aus Aachen im ORF übertragen wurde. Damals habe ich zu meiner Freundin gesagt: Irgendwann möchte ich auch im Fernsehen in Aachen reiten. Jetzt ist es so weit.“

Von der eigenen Zucht bis zur Weltmeisterschaft

Khoddam-Hazratis Partnerin für Aachen ist die zehnjährige Renegade. Die Stute stammt aus ihrer eigenen Zucht und ist eine Tochter ihrer Holsteiner Stute Roseanne 2. Reiterin und Pferd kennen einander damit von Beginn an.

Der Weg auf Vier-Sterne-Niveau verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Vor allem im Springen brauchte Renegade Zeit, um ihre körperlichen Möglichkeiten und ihr Talent zusammenzubringen.

„Am Anfang war sie im Springen nicht unbedingt das große Highlight. Man hat aber immer gemerkt, dass etwas in ihr steckt und dass sie vorsichtig genug ist. Körperlich hat sie es damals noch nicht geschafft. Wir haben sie gemeinsam mit Dieter Köfler (Anm.: der österreichische Top-Springreiter aus Kärnten) sehr lange und behutsam aufgebaut. Jetzt springt sie richtig gut und alles bekommt immer mehr Form.“

Bereits als Achtjährige bestritt Renegade ihre ersten Vier-Sterne-Prüfungen. Ihre größte Stärke zeigt die Stute im Gelände. Dort profitiert das Duo von seiner langen gemeinsamen Geschichte.

„Wir kennen uns von Grund auf. Ich weiß, wie sie ist, und sie weiß, wie ich bin. Im Gelände ist sie wirklich eine Maschine.“
Für Khoddam-Hazrati ist der WM-Start deshalb mehr als das Erreichen eines weiteren Championats. „Das Highlight ist, dass ich es mit meinem selbst gezogenen Pferd geschafft habe. Darauf bin ich wahnsinnig stolz.“

Qualifikation beim letzten Anlauf

Der Weg nach Aachen blieb bis zuletzt offen. Schon die Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2025 in Blenheim war nach einem Sturz und zwei tausend Kilometer langen Turnier-Reisen innerhalb kurzer Zeit alles andere als ideal verlaufen. Trotzdem erreichten Khoddam-Hazrati und Renegade mit dem österreichischen Dreierteam den fünften EM-Rang und damit das WM-Ticket.

Auch in dieser Saison lief nicht alles nach Plan. Nach einem kurzfristig angesetzten Start beim Nationenpreis in Marbach folgte die lange Vier-Sterne-Prüfung in Baborówko. Dort löste das Paar an einem schwer wahrnehmbaren Hindernis das MIM-Sicherheitssystem aus. Die daraus resultierenden 20 Fehlerpunkte verhinderten das benötigte Qualifikationsergebnis.
Damit blieb nur noch eine Möglichkeit: die CCI4*-L-Prüfung bei den LOTTO Strzegom Horse Trials Ende Juni. Zwei lange Vier-Sterne-Prüfungen in kurzer Folge verlangten Renegade viel ab. Die Stute bewältigte das anspruchsvolle Gelände dennoch sicher und beendete den Bewerb auf Platz zwei – nur einen Punkt hinter der neuseeländischen Nummer 1 der aktuellen Eventing-Weltrangliste Tim Price mit The Highlander. Mit diesem Ergebnis empfahl sich das steirische Paar endgültig für Aachen. Österreich belegte in Strzegom zudem Rang drei im Nationenpreis.

„Das war wirklich hart, weil zwei lange Prüfungen hintereinander viel Substanz kosten. Man muss sehr vorsichtig reiten. In Strzegom ist es dann besser gelaufen, als ich erwartet hatte. Das Gelände war schwer, aber sie ist durchgelaufen wie auf einer Schnur. Mit Tim Price auf dem Podium zu stehen, war schon cool.“

Ein viertes Paar als wichtiges Polster

Bei der EM in Blenheim mussten Lea Siegl, Harald Ambros und Katrin Khoddam-Hazrati ohne Streichergebnis auskommen. Alle drei Paare erreichten das Ziel und holten mit Mannschaftsrang fünf das beste österreichische EM-Ergebnis seit 2003. Gleichzeitig sicherten sie Österreich die WM-Teilnahme.

„Wir wussten, dass wir ohne Streichergebnis alle ins Ziel kommen müssen. Lea bringt bei Championaten immer sehr gute Ergebnisse. Harald ist ein schneller Geländereiter und ich bin normalerweise konstant im Mittelfeld. Wenn alles aufgeht, können wir als Team vorne mitreiten.“

In Aachen ergänzt der Steirer Daniel Dunst mit Chevalier 97 die erfolgreiche EM-Equipe. Erstmals seit Längerem tritt Österreich damit bei einem Championat wieder mit vier Vielseitigkeitspaaren und einem möglichen Streichergebnis an.
„Daniel ist jetzt dabei, und das gibt uns noch einmal ein Polster. Zu viert ist es immer besser als zu dritt. Wenn alles aufgeht und wir auch das nötige Quäntchen Glück haben, können wir es unter die ersten sieben schaffen.“

Ein Platz unter den besten sieben Teams würde Österreich die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles bringen. Khoddam-Hazrati sieht darin eine realistische Außenseiterchance – wohl wissend, wie schnell im Vielseitigkeitssport die Ausgangslage verändern kann.

In den letzten Tagen vor der Abfahrt standen für Renegade lange Schritt- und Bergritte, Dressurarbeit mit Vielseitigkeits-Kollegin Margit Appelt sowie eine abschließende Springeinheit bei Dieter Köfler auf dem Programm. Nun zählt Aachen.
Vor 20 Jahren stand Khoddam-Hazrati dort noch als Pferdepflegerin am Rand und sah anderen beim Reiten zu. Diesmal sitzt sie selbst im Sattel – und der Kindheitstraum wird vor laufenden ORF-Kameras Wirklichkeit.

WM-Team, Zeitplan, TV-Übertragung

Österreichs WM-Team:
Katrin Khoddam-Hazrati (ST) – Renegade
Daniel Dunst (ST) – Chevalier 97
Harald Ambros (OÖ) – Vitorio du Montet
Lea Siegl (OÖ) – Watermill Giorgio RS
Equipechef: Thomas Tesch

WM-Zeitplan Vielseitigkeit:
Donnerstag, 13. August, 9.30–17.00 Uhr: Dressur Team- und Einzelwertung, Teil 1
Freitag, 14. August, 9.30–17.00 Uhr: Dressur Team- und Einzelwertung, Teil 2
Samstag, 15. August, 9.15–15.55 Uhr: Gelände Team- und Einzelwertung
Sonntag, 16. August, 13.00–17.20 Uhr: Springen Team- und Einzelwertung, Medaillenentscheidungen
Start- und Ergebnislisten: Longines Timing

Geplante TV-Übertragung:
Sonntag, 16. August, ab 12.55 Uhr auf ORF ON. Ab 15.45 Uhr ist die Medaillenentscheidung zeitversetzt auf ORF SPORT+ vorgesehen.

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