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Puch startet am besten Platz der Welt ein neues Kapitel

Für Para-Dressur-Aushängeschild Pepo Puch beginnt bei den Weltmeisterschaften in Aachen ein neues Kapitel seiner außergewöhnlichen Karriere. Der vielfache Paralympics- und Championatsmedaillengewinner tritt mit Royale Choice erstmals bei einem Großereignis in seinem neuen Grade an. Gemeinsam mit Julia Mitterhuemer (ST), Thomas Haller (ÖO) und Julia Sciancalepore (K) bildet der Steirer Österreichs Para-Dressur-Team bei der Multi-WM – und blickt trotz ungewohnter sportlicher Voraussetzungen mit großer Vorfreude auf einen Ort, den er als „besten Platz der Welt“ für Weltreiterspiele bezeichnet.


Grade I: „Ich bin einfach ein Frischgefangter“

Routine gehört normalerweise zu den großen Stärken von Pepo Puch. Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Paralympische Spiele haben den Steirer über viele Jahre begleitet. Vor Aachen befindet sich der Routinier dennoch in einer für ihn ungewohnten Situation. Seine Reklassifizierung erfolgte erst vor kurzer Zeit, entsprechend wenig Wettkampferfahrung konnte er bislang in seinem neuen „Grade I“ sammeln.

„Das ist so kurz her, dass mir einfach noch die Routine fehlt. Ich bin da ein Frischgefangter“, sagt Puch mit einem Augenzwinkern. Gewünscht war der späte Zeitpunkt keineswegs. Die Reklassifizierung hatte länger gedauert als ursprünglich vorgesehen – und damit blieb kaum Zeit, sich unter Turnierbedingungen auf die neuen Anforderungen einzustellen.

Denn auch reiterlich verlangt der Wechsel ein Umdenken. Gerade die Schrittarbeit stellt andere Anforderungen als jene Aufgaben, die Puch über Jahre gewohnt war. „Es geht um Aufrichtung und eine dynamische Versammlung. Das ist etwas, das du in den anderen Grades beziehungsweise in der Dressur, die ich bisher geritten bin, so nicht hast. Es ist ein ganz anderer Zugang.“

Selbst seine enorme Erfahrung löst diese Aufgabe nicht automatisch. Genau darin liegt für den 60-Jährigen aber auch der Reiz: „Natürlich hilft die Routine ein bisschen. Aber du stößt plötzlich auf neue Situationen und neue Herausforderungen. Das macht es auch spannend.“

Royale Choice und die Reise ins Unbekannte

Mit Royale Choice hat Puch erst vor wenigen Monaten ein neues sportliches Projekt begonnen. Die ersten gemeinsamen Auftritte verliefen vielversprechend, für eine optimale WM-Vorbereitung hätte sich der Steirer jedoch mehr Zeit gewünscht. „Es hat eigentlich gut angefangen. Natürlich hätte ich gerne noch zwei oder drei Turniere vor der WM gehabt“, sagt Puch. Diese Möglichkeit gibt es nicht mehr. Statt zusätzlicher Testläufe wartet nun direkt die größte Bühne des Jahres: „Jetzt muss ich mich sozusagen ins Championat hineinarbeiten.“

Entsprechend zurückhaltend formuliert er seine persönliche Zielsetzung. Wo er im neuen Grade international tatsächlich steht, lässt sich noch schwer einschätzen. Einen Wunsch hat er dennoch: den Einzug in die Kür der besten acht Athlet:innen. „Für mich ist das wirklich ein Sprung in eine neue Dimension. Deshalb kann man vorher kaum sagen, was möglich ist. Ich wäre froh, wenn ich es unter die besten acht und damit in die Kür schaffe. Alles Weitere müssen wir uns anschauen.“
Gleichzeitig reicht der Blick bereits über Aachen hinaus. Die Weltmeisterschaft ist eine wichtige Standortbestimmung auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Erfahrungen, die Puch und Royale Choice in Aachen sammeln, sollen deshalb auch langfristig wertvoll sein.
„Der beste Platz der Welt“

Dass diese neue Etappe ausgerechnet in Aachen beginnt, macht sie für Puch besonders. Obwohl er nahezu alle großen Schauplätze des internationalen Pferdesports erlebt hat, besitzt die Soers für ihn eine besondere Strahlkraft. „Aachen ist das Wimbledon des Pferdesports. Es ist unglaublich professionell und gleichzeitig pferdegerecht. Für mich ist es der beste Platz der Welt, an dem man Weltreiterspiele austragen kann“, schwärmt der Steirer. Schon vor 20 Jahren habe ihn die Dimension des Turniers beeindruckt: „Das war damals eine wahnsinnige Sache und ist in all den Jahren nicht weniger besonders geworden. Dass wir wieder dort sein dürfen, ist ein Hit.“

Ganz unbekannt ist die WM-Arena für das Duo nicht. Puch und Royale Choice waren bereits beim Testevent im Frühjahr in Aachen am Start. Das könnte helfen, wenn bei der WM volle Tribünen und eine völlig andere Atmosphäre warten. „Natürlich ist das auch für die Pferde eine Umstellung. In einem vollen Stadion ist einfach viel mehr Energie. Aber ich weiß, was auf uns zukommt, und das Stadion ist großartig.“
Österreich tritt bei der Para-Dressur-WM mit einem vierköpfigen Team an. Neben Puch und Royale Choice stehen Thomas Haller (OÖ) mit Haller’s Hermine, Julia Mitterhuemer (ST) mit Showgirl 4 und Julia Sciancalepore (K) mit Heinrich IV im Aufgebot. Für die Mannschaft geht es in Aachen neben den WM-Platzierungen auch um wichtige Weichenstellungen auf dem Weg zu den Paralympics 2028.

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