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Vom TV-Traum 2006 zur Multi-WM in Aachen 2026

Während Österreichs Nachwuchs-Voltigierer:innen mit vier steirischen Vertreter:innen (Josef Schellnegger, Eva Koren & Julia Alber sowie Fabiana Kroath) derzeit bei den Europameisterschaften der Junioren und Young Vaulter im französischen Le Mans (29. Juli bis 2. August) um Medaillen kämpfen, richtet sich der Blick der Steirerin Cornelia Pikl bereits auf den nächsten Höhepunkt des Pferdesportjahres. Die 33-Jährige wird bei den FEI World Championships im Rahmen der Multi-WM in Aachen (11. bis 23. August) im Einzel der Damen an den Start gehen – und damit genau dort auftreten, wo vor 20 Jahren ihr großer Traum begann.

Damals saß die junge Voltigiererin vor dem Fernseher und verfolgte fasziniert die Weltreiterspiele 2006 in Aachen. Heute gehört sie selbst zum österreichischen Aufgebot und hat sich gemeinsam mit Sophie Pittl und Leonie Koller (beide Tirol) für das prestigeträchtigste Championat im Pferdesport qualifiziert. Für Pikl schließt sich damit ein ganz besonderer Kreis.
„Damals habe ich die Weltreiterspiele im Fernsehen verfolgt und mir gedacht: Dort möchte ich einmal selbst dabei sein. Dass dieser Traum jetzt tatsächlich in Erfüllung geht, ist schon etwas ganz Besonderes. Die Qualifikation war unser großes Ziel – jetzt überwiegt einfach die Vorfreude. Ich habe ein tolles Pferd (Anm.: Enjoy The Moment), eine starke Longenführerin (Anm.: Melanie Neubauer) und ihrem Trainer (Anm.: Gregor Stöckl) sowie ein Team, auf das ich mich verlassen kann. Jetzt wollen wir unsere Programme so zeigen, wie wir sie im Training können – alles andere wird sich ergeben“, berichtet Pikl.


Vom Reitstall in der Steiermark auf die größte Bühne des Pferdesports

Dass sie überhaupt zum Voltigieren fand, war beinahe vorgezeichnet. Pferde gehörten im Reitstall ihrer Familie in der Steiermark von klein auf zum Alltag, gleichzeitig betrieb sie rhythmische Sportgymnastik. Mit zehn Jahren wagte sie schließlich die ersten Schritte auf dem Pferderücken – und fand genau jene Kombination aus Athletik, Präzision und Teamgeist, die sie bis heute begeistert.

Der entscheidende Schritt Richtung Spitzensport folgte mit 14 Jahren, als sie ihr erstes eigenes Voltigierpferd bekam. Ausgerechnet dieses Pferd war zuvor selbst bei den Weltreiterspielen 2006 in Aachen im Einsatz gewesen. Für Pikl wurde die internationale Bühne dadurch plötzlich greifbar. „Das war irgendwie mein Einstieg in die große Voltigier-Welt. Von diesem Zeitpunkt an habe ich zu träumen begonnen und mir große Ziele gesteckt.“

In den vergangenen beiden Jahren arbeitete die Steirerin konsequent auf dieses Ziel hin. Gemeinsam mit ihrem Tiroler Trainer, der selbst 2006 als Einzel-Voltigierer in Aachen am Start war und mit der Gruppe sowohl Europameister als auch Vizeweltmeister war, erarbeitete sie einen langfristiger Plan erstellt, regelmäßige Trainingslager und Videoanalysen bestimmten den Alltag. Auch mental investierte Pikl viel, um bei den entscheidenden Qualifikationen ihre Leistung punktgenau abrufen zu können.

Steirische Hoffnung mit großen Zielen für Aachen

Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich eindrucksvoll. Nach dem Staatsmeistertitel im Vorjahr setzte sich die 33-Jährige auch bei beiden nationalen Sichtungen durch und löste damit das Ticket für Aachen. Dort möchte sie ihre bisherigen besten Championatsergebnisse – Rang sieben bei der WM 2024 und Platz sechs bei der EM 2025 – noch einmal verbessern. Ein Platz unter den besten fünf der Welt wäre das große Ziel.

Dass Österreich im Voltigieren seit Jahren zur Weltspitze zählt, überrascht die Vorzeigesportlerin dabei nicht. „Wir haben hervorragende Trainer:innen und eine starke Nachwuchsarbeit. Natürlich gibt es Nationen mit noch besseren Pferden, aber wir schaffen es immer wieder, international vorne mitzumischen. Das zeigt, wie gut bei uns gearbeitet wird.“
Aktuell steht für Pikl allerdings zunächst eine andere Aufgabe im Mittelpunkt. Bei den Nachwuchs-Europameisterschaften in Le Mans unterstützt sie als Betreuerin die österreichischen Junior:innen und Young Vaulter. Kaum zurück in Österreich, beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf Aachen. Während ihr Pferd zu Hause weitertrainiert wird, nutzt sie die letzten Tage für Feinschliff und zur Regeneration, bevor es Anfang August Richtung Deutschland geht.

Neben ihrer Karriere als Spitzensportlerin führt die 33-Jährige gemeinsam mit ihrer Mutter den familieneigenen Reitstall Pikl in der Steiermark. Als Reit- und Voltigierinstruktorin organisiert sie den Trainingsbetrieb, betreut den Nachwuchs und bildet täglich junge Talente aus. Dass Beruf und Leidenschaft dabei nahtlos ineinander übergehen, empfindet sie als großes Privileg.

Vielleicht steht dort bereits die nächste Generation bereit. Immer wieder wird die Steirerin bei Turnieren oder sogar beim Ausreiten erkannt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Moment, als kleine Voltigiererinnen vor einer Startliste auf ihren Namen zeigten und sich über ihre Teilnahme freuten. Für sie ein Zeichen, dass Erfolge inspirieren können – genauso wie sie selbst einst von den Bildern aus Aachen begeistert wurde. Zwanzig Jahre später wird sie nun selbst Teil dieser Geschichte.

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